„Vor Gott treten wir alle gegen den gleichen Ball"

Nachricht 09. Februar 2026

Team aus Nordhorn gewinnt den Konfi-Cup Niedersachsen

"Vor Gott treten wir alle gegen den gleichen Ball". 350 Konfis am 7. Februar beim niedersächsischen Konfi-Cup. Foto: Alexander Nortrup/EMA.

"Ganz, ganz viel Spaß - und möge der Beste gewinnen!" So hatte Fußballprofi und Nationalspielerin Alexandra Popp in einem Video (hier anklicken) zum Konfi-Cup eingeladen. Knapp 350 fußballbegeisterte Konfirmandinnen und Konfirmanden waren der Einladung gefolgt und tragten am 7. Februar zum niedersächsischen Konfi Cup in Hannover an. Nicht immer lief der Ball für alle rund - aber Spaß am gemeinsamen Spiel hatten trotz vieler Gegentore fast alle. Und das Team aus Nordhorn durfte sogar mit einem großen silbernen Pokal nach Hause fahren.

Großer Sieg und hohe Niederlage: Sie folgen manchmal erstaunlich schnell aufeinander. Von den 350 Jugendlichen, die am Sonnabend den niedersächsischen Konfi Cup 2026 im Soccer Park Hannover-Wülfel ausgespielt haben, weiß das niemand besser als die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus der Kirchengemeinde Brockel, Kirchwalsede und Visselhoevede (kurz: BKV). 6:0 gewinnen sie ihr Spiel gegen Wunstorf, und werden doch im zweiten Match mit 1:3 von Schladen auseinandergenommen. Über die Gründe kann Rabea Lüdemann, die zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Emma das BKV-Team betreut, nur spekulieren: „Wir haben ein einziges Mal zusammen trainieren können“, sagt die 20-Jährige. Ob dabei zu viel Zeit für das Bemalen der pechschwarzen Trikots draufgegangen ist? Schick sehen sie auf jeden Fall aus. 

Am fehlenden Teamgeist können die wechselhaften Ergebnisse - am Ende wird es Platz 22 - auch nicht liegen: Torwart Tjark bleibt kurz liegen, nachdem er den Ball aus nächster Nähe heftig an den Kopf bekommen hat - sofort stürmt ein ganzer Schwung von Spielerinnen und Spielern aufs Feld und versorgt den Keeper. Nach einem Schreckmoment geht es für ihn weiter, Mitspieler Conner schießt von der Strafraumkante, trifft aber nur die Bande links neben dem Tor. Als dann Lotta zum 3:0 einnetzt, jubeln alle BKVler kollektiv. Gewinnen oder verlieren? Turniersieg oder Vorrundenaus? Für Rabea Lüdemann ist etwas anderes viel wichtiger: „Seinen Gegner mit Respekt behandeln - das kann man hier definitiv lernen.“

Sport-Pastor Peti Schmidt, der den Wettbewerb in Hannover seit vielen Jahren gemeinsam mit Diakonin Inga Rohoff aus dem Vorstand des Arbeitskreises Kirche und Sport der EKD organisiert, sieht das ganz ähnlich. „Vor Gott sind wir alle gleich“, sagt er vor dem ersten Spiel. „Und wir treten hier auch alle gegen den gleichen Ball.“ Die Vielfalt der Farben, Trikots, Slogans und Spielstile ist ebenso groß wie die regionale Bandbreite: 26 Teams aus den Landeskirchen Hannover (18 Teams), Braunschweig (3 Teams), Oldenburg (3 Teams) und der Reformierten Kirche (2 Teams) haben sich mit insgesamt knapp 400 Beteiligten aufgemacht, um gemeinsam viel Spaß und spannende Spiele zu erleben. 

Die Popkantor-Band spielt von Lobpreis bis zur DFB-Hymne „Völlig losgelöst von der Erde“ den ganzen Vormittag den sportlichen Soundtrack zum Mitsingen und Genießen. Und der Beauftragte der Landeskirche Hannovers für Kirche und Sport, Mirko Peisert, betet vor dem ersten Anpfiff des Tages mit den Jugendlichen: „Bewahre uns vor Bänderrissen und Blutergüssen und segne uns mit Fair Play“. Wettbewerb sei wichtig und cool, sagt Peisert. „Aber heute geht es vor allem um das Miteinander, nicht das Gegeneinander.“

Jule Corleis ist für Wettbewerb definitiv zu haben. Die 13-Jährige schießt in ihrer Freizeit Tennisbälle übers Netz und mit dem Luftgewehr auf Zielscheiben. Den Ball ins Tor trifft die Konfirmandin aus Harsefeld bei Stade bislang nicht - aber rechtzeitig zum Konfi Cup hat sie Fußball in ihr Repertoire aufgenommen. Ihre Kirchengemeinde hat eine wechselhafte Historie bei dem Wettbewerb: 2018 gewann ein Team in Hannover und später auch beim Bundeswettbewerb in Köln, 2025 wurde es dagegen etwa nur der enttäuschende 14. Platz. Für den Anlauf in diesem Jahr ist Kaya Dupré als Trainerin am Start, die selbst in der Bezirksliga spielt. „Es macht mir einfach mega Spaß mit dieser tollen Gruppe“, sagt die 14-Jährige und Spielerin Jule fällt ihr sofort ins Wort: „Sie hat uns erst heute morgen das Dribbeln beigebracht!“. Da muss Kaya dann doch grinsen.

Und auf dem Platz? Harsefeld in den grünen Jerseys hat mit den kompakt stehenden Spielerinnen und Spielern aus Hannovers Südstadt zunächst große Mühe. Nach einem schnellen Vorstoß über die linke Seite gelingt der grünen Nummer 11 mit seinen markanten lila Schuhen schließlich ein Treffer, es folgt nur wenig später ein überlegter Schuss zum 2:0 von Nummer 6. Nun kommen die Kickerinnen und Kicker aus Hannover kaum noch über die Mittellinie, nach dem 3:0 wechselt Trainerin Kaya einmal komplett durch. „Harse…“ - „…feld!“ singt eine eigens an diesem Sonnabend angereiste Fangruppe hinter dem Tor beharrlich. Noch zwei Treffer, ein Gegentor kurz vor Schluss - dann steht der 5:1-Sieg fest. Dass es der letzte des Tages bleibt - die gute Laune wird es am Ende nicht trüben.

Einen Platz weiter hat das Konfi-Cup-Team aus Weyhe im Landkreis Diepholz extra schicke rote Trikots dabei, dennoch geht das erste Spiel mit 0:1 knapp verloren. Teambetreuerin Annika Behr hat ohnehin höhere Ziele an diesem Tag: „Für mich ist es ein riesiger Gewinn, wenn die Jugendlichen erleben, dass Kirche größer ist als die eigene Gemeinde. Einige merken hier gerade, dass sie Teil einer riesigen Gemeinschaft sind.“ Die 26-jährige Studentin der Religionspädagogik begleitet die Konfirmandinnen und Konfirmanden nicht nur zum Fußball, sondern sorgt auch alle zwei Wochen für spannende Einblicke in die Welt des Glaubens. „Wir gehen mit ihnen auch mal ins Hospiz oder organisieren eine Übernachtung in der Kirche“, sagt Behr. Sehr offensive Wege geht Weyhe auch im Spiel gegen Lüneburg: Schon früh fällt das 1:0, auch der nächste Treffer gelingt mit einer schnellen Aktion von der linken Ecke. Alle drei Weyher Mädchen stürmen zeitweise gemeinsam, 5:0 steht es am Ende.

Ganz ohne Niederlagen kommt eine Mannschaft aus, die in elegantem lila antritt. 23 Tore in der Vorrunde, 5:2 im Halbfinale gegen Bugenhagen und ein souveräner 2:0-Sieg im Finale gegen Wilhelmshaven: Das Team aus Nordhorn gewinnt schließlich überlegen das Turnier. „Klar im Spiel, Teamgeist zum Sieg, das ist unser Stil“ - ein selbst gestaltetes Plakat macht das Motto der weit angereisten Jugendlichen deutlich. Am Ende eines langen Tages recken sie glücklich den großen Pokal in die Höhe, gewinnen Freikarten für ein Frauen-Bundesligaspiel des VfL Wolfsburg - und vertreten ihre Landeskirche am 14. Mai in Köln beim bundesweiten Finalturnier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zumindest für das Konfi-Team aus Nordhorn startet das Fußball-WM-Jahr 2026 maximal erfolgreich.

Alexander Nortrup / EMA

Endplatzierungen niedersächsischer KonfiCup 2026

1.    Nordhorn (Hannoversche Landeskirche, qualifiziert für EKD-Konficup-Finale)
2.    Wilhelmshaven I (Oldenburgische Kirche, qualifiziert für EKD-Konficup-Finale)
3.    Werlte
4.    Bugenhagen
5.    Ganderkesee
6.    Querum (Braunschweigische Landeskirche, qualifiziert für EKD-Konficup-Finale)
7.    Lüneburg I
8.    Gellersen
9.    Schladen und Lünne (Reformierte Kirche, qualifiziert für EKD-Konficup-Finale)
10.    Schladen und Lünne
11.    Weyhe
12.    An der Hamme
13.    Dassel
14.    Wunstorf II
15.    Wunstorf I
16.    Wedemark
17.    Garbsen
18.    Wilhelmshaven II
19.    Lachendorf
20.    Harsefeld
21.    Schapen
22.    Brokel
23.    Braunschweig- West
24.    Südstadt
25.    Lüneburg II
26.    Wunstorf III