Die Kirchen in Niedersachsen haben sich angesichts der aktuellen politischen Situation für die Achtung der Menschenwürde und den demokratischen Rechtsstaat eingesetzt und vor Spaltung durch Populisten gewarnt.
Landesbischöfin Bammel und Weihbischof Marahrens mahnen vor Wahlen Achtung der Menschenwürde an
Die Braunschweiger Landesbischöfin Christina-Maria Bammel und der Hildesheimer Weihbischof Martin Marahrens haben vor den Wahlen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt den Wert des demokratischen Rechtsstaats hervorgehoben. „Eine Rhetorik der Verächtlichmachung oder Einschüchterung ist mit christlichen Werten nicht vereinbar“, betonten die evangelische Bischöfin und der katholische Bischof am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung.
Eine echte Wahl zu haben, sei ein errungenes Freiheitsrecht. Die Erklärung entstand nach einem Treffen der hauptamtlichen Leitungen beider Kirchen im Theologischen Zentrum Braunschweig, wie die Landeskirche mitteilte. Die Demokratie stelle nicht eine bestimmte völkische oder nationale Zugehörigkeit ins Zentrum, sondern die Würde jedes Menschen, heißt es darin. Anders sei das Menschsein im christlichen Glauben nicht zu verstehen.
Bammel und Marahrens zeigten sich besorgt über Kräfte, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem und verfassungsfeindlich eingestuft werden. „Die für alle anstrengenden gesellschaftlichen Aufgaben werden nicht durch Abschottung oder rassistische Ausgrenzung gelöst“, erläuterten sie.
Die Kirchenvertreter warben dafür, sich bewusst für jene zu entscheiden, die klar auf dem Boden der Demokratie stünden. „Tausende von gesellschaftlich und kirchlich engagierten Menschen setzen sich täglich ein für ein menschenfreundliches Zusammenleben“, betonten sie. „Das darf nicht verloren gehen.“
Kirchenpräsidentin Bei der Wieden warnt vor Spaltung durch Populisten
Die Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche, Susanne Bei der Wieden, hat vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch politische Populisten gewarnt. Eine bestimmte Partei nutze die Rede von 'wir' und 'die' „perfekt und perfide, um unsere Gesellschaft und unseren Rechtsstaat und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu zersetzen“, sagte sie in einem Gottesdienst in Leer-Loga eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort liegt die AfD Umfragen zufolge weit vor den anderen Parteien.
Die Unterscheidung von 'wir' und 'die' spalte Familien, Freundeskreise und Nachbarschaften, sagte die Theologin. Sie erzeuge das Gefühl, benachteiligt und ungerecht behandelt zu werden. Aufgezählt würden Gegensätze zwischen Deutschen und Ausländern, Gesunden und Schwachen, Bürgern und Eliten sowie Männern und Frauen. Verdrängt werde dabei „die Suche nach dem Verbindenden und Schützenden und das Recht der Minderheiten“. Von solchen politischen Tendenzen müsse sich die Kirche „um der Wahrheit willen“ abgrenzen.
Dieses Gift der Spaltung reiche längst bis in die Mitte der Gesellschaft, mahnte Bei der Wieden. Pauschalurteile über Menschen, die „gern blau machen, krank feiern, nicht arbeiten wollen, den Sozialstaat ausnutzen“, prägten zu oft Talkshows und politische Reden und diffamierten ganze Bevölkerungsgruppen. Kirche und Gemeinden seien gefragt, solche Verwerfungen mit Empathie und Barmherzigkeit zu überwinden.
Die Kirchenpräsidentin appellierte an die reformierten Kirchengemeinden, die Kirchenvorstandswahlen im kommenden März dafür zu nutzen. Es gehe darum, nicht nur langjährige Kerngemeindemitglieder aufzustellen, sondern auch Empfänger von Hilfsleistungen, Unternehmerinnen oder Christen, „die hier nach Asyl suchen mussten“. Als Vorbild nannte sie die frühe Kirche, die Zugewanderte an ihrer Leitung beteiligt habe: „Die haben Gaben und Fähigkeiten, die sie zum Segen und Leben der Gemeinde eintragen.“
epd