Antisemitismus gehört zu den ältesten und zugleich wandlungsfähigsten Formen des Hasses in Europa. Der Soziologe Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joas hat in einem neuen Buch eine Besonderheit des völkischen und rassistischen Antisemitismus herausgearbeite, die offensichtlich zu sein scheint, aber nur selten in ihrer tiefen Bedeutung gewürdigt wird.
Über Jahrhunderte hinweg wurde nämlich Jüdinnen und Juden in Europa vor allem vorgeworfen, sie würden sich dem christlichen Ideal der universellen Nächstenliebe in Europa verweigern. Im 20. Jahrhundert kehrte sich dieses Bild aber auf paradoxe Weise um. Nun wurde gerade ihr Denken über nationale Grenzen hinaus als angeblicher Beweis für die Gefährlichkeit des "Jüdischen" gedeutet.
Hans Joas zeigt, wie solche Vorstellungen entstehen konnten, warum sie für manche Menschen eine existenzielle Sinnstiftung botetn und wer in prophetischer Weise gegen diesen neuen Antisemitismus im vollen Bewusstsein seiner Tiefendimension aufstand.