Rastede (epd). Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg hat sich mit einer Erklärung zu Demokratie und Menschenwürde bekannt. Jeder Mensch sei „von Gott gewollt und geliebt“, heißt es in dem in Rastede bei Oldenburg beschlossenem Papier. Die Kirche trete „gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, religiösen Hass, Gewalt und Einschüchterung, die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Lebensweise“ ein.
Demokratie brauche Respekt, Wahrheitstreue und die Bereitschaft zum Kompromiss, heißt es in der Erklärung. Mit Sorge beobachte die Kirche eine zunehmende Verrohung der Sprache, Hass und Desinformation sowie Angriffe auf demokratische Institutionen. Politische Bewegungen, die Menschen ausgrenzten oder die Gleichwertigkeit aller in Frage stellten, gefährdeten das friedliche Zusammenleben.
AfD für Christen nicht wählbar
Deutlich grenzte sich die Synode in der Erklärung von rechtsextremen und nationalistischen Positionen ab. „Christlicher Glaube und völkischer Nationalismus sind nicht vereinbar.“ Führende Vertreterinnen und Vertreter der AfD äußerten sich „verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch“. Mit Blick auf die anstehende niedersächsische Kommunalwahl im September und die Landtagswahl im kommenden Jahr hieß es weiter: Die Partei sei für Christinnen und Christen „nicht wählbar“.
Bischof Thomas Adomeit hatte zuvor betont. „Als Kirche dürfen und müssen wir sagen: Wo Menschenwürde relativiert wird, wo Minderheiten zum Problem erklärt werden, wo Verachtung politisches Mittel wird, wo demokratische Institutionen systematisch delegitimiert werden, da ist unser Widerspruch gefordert. Nicht weil wir parteipolitisch sein wollen, sondern weil wir christlich bleiben wollen.“
Keine Demokratiefeinde in kirchlichen Ämtern
Bereits im vergangenen Jahr habe die oldenburgische Kirche klargestellt, dass Personen, die sich rassistisch, antisemitisch, islamfeindlich, queerfeindlich oder demokratiefeindlich äußern, nicht für kirchliche Leitungsverantwortung geeignet seien, erinnerte Adomeit.
Das Kirchenparlament verpflichtete sich, demokratische Bildung zu fördern und Räume für Begegnung und Gespräch zu schaffen. Niemanden solle jedoch vorschnell als Gesprächspartner ausgeschlossen werden. Darum werde sich die oldenburgische Kirche im kommenden Jahr schwerpunktmäßig mit Demokratiefragen befassen.
Kirchen in Niedersachsen und Bremen stehen zur Demokratie
Anfang Mai hatten die leitenden Theologinnen und Theologen der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen eine gemeinsame Erklärung für Demokratie und Menschenwürde veröffentlicht. Sie betonten: „Unsere Perspektive ist eine menschenfreundliche Gemeinschaft, in der alle nach demokratischen Regeln zum Gelingen des Ganzen beitragen.“
Jörg Nielsen (epd)