Zu einer Konferenz mit dem Titel „Von Afrika bis Niedersachsen: Frauen gestalten das Land“ luden das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), der Landesfrauenrat Niedersachsen e.V., die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft - Landesverband Niedersachsen/Bremen e.V. (AbL) in die Neustädter Hof- und Stadtkirche Sankt Johannis ein. Die Referentinnen Mary Obara aus Kenia, Projektkoordinatorin für das Projekt Kenia/Somalia des Lutherischen Weltbundes, und Souad Mahmoud aus Tunesien, unter anderem Präsidiumsmitglied von Alliance for Food Sovereignity in the Middle East and North Africa, stellten anschaulich die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft in ihren Ländern vor. Frauen sind in beiden Ländern diejenigen, die die Arbeit auf den Feldern und mit den Tieren machen. Der Zugang zu Land ist für sie jedoch schwierig, in Entscheidungsgremien sitzen oft nur Männer, und Frauen haben durch die Landbewirtschaftung und die Care-Arbeit in der Familie eine mehrfache Belastung. Dennoch sind viele von ihnen mit Freude dabei und versuchen, gemeinsam positive Veränderungen anzustoßen. Auch die Bildung spielt eine wichtige Rolle, um Sichtweisen zu verändern und allen, auch den Mädchen und Frauen, gerechte Chancen zu eröffnen. Trotz unterschiedlicher Agrarstrukturen zeigten sich erstaunlich viele Parallelen zu dem, was Miriam Staudte, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, aus Niedersachsen berichtete. Entsprechend lebendig war auch das Gespräch zwischen den dreien auf dem Podium und mit dem Publikum. Der Abend klang bei niedersächsischen, kenianischen und tunesischen Spezialitäten aus.
Die nächste Begegnung führte die internationalen Gäste einschließlich Caroline Tveoy, die für den Lutherischen Weltbund in Genf Projekte in verschiedenen Ländern leitend begleitet, nach Südniedersachsen auf den Kartoffelhof Berner und in die Region Hannover zu Acker Pella. Anika Berner und Maren Ihnen, Vorsitzende und Geschäftsführerin der AbL Niedersachsen/Bremen, zeigten den Gästen ihre Betriebe, Felder und Gewächshäuser. Für Mary Obara und Souad Mahmoud, die beide selbst auch Bäuerinnen sind, war der Austausch zu praktischen Fragen bereichernd: Wie funktioniert ein Kartoffelroder, welche Bewässerungssysteme werden im Gemüseanbau verwendet, welches Konzept bei der Vermarktung verfolgt usw. Die Besuche haben praktische Konsequenzen: Ein in Niedersachsen gekauftes automatisch gesteuertes Bewässerungssystem kommt jetzt in Kenia zum Einsatz.
Am Sonntag lernten die internationalen Gäste einen bedeutenden Ort der niedersächsischen Kirchengeschichte und der heutigen Pastorenausbildung kennen: das Kloster Loccum. Eine Klosterführung nach dem Gottesdienst gab einen eindrücklichen Überblick über die Rolle von Klöstern für Glauben und Gesellschaft, die Reformationszeit und die aktuelle Aus- und Fortbildung von Theolog*innen. Eindrucksvoll war auch ein Rundgang durch den Klosterforst mit seinen Fischteichen, zum einen unter dem Gesichtspunkt klösterlichen Wirtschaftens, zum anderen hinsichtlich aktueller Forstbewirtschaftung, auch angesichts des Klimawandels. Die Rolle der Landfrauen wurde durch eine Landfrau, früher lange in leitender Position, nahegebracht.
„Hier fühle ich mich zu Hause“, rief Mary Obara spontan aus, als sie einen Tag später an der Haustür der Podbielskistraße 164 das Logo des Lutherischen Weltbundes entdeckte. Oberkirchenrätin Astrid Kleist, Oberkirchenrat Dr. Detlef Görrig und Oberkirchenrat Dr. Andreas Ohlemacher vom Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes ergriffen gern die Gelegenheit zum direkten Austausch mit Mary Obara und Caroline Tveoy. Dass die Landwirtschaft ein verbindendes Element sein kann zwischen Personen und Gemeinden der Kirchen des LWB, wurde deutlich. Auch, dass wir ein gemeinsames Anliegen haben: unseren Beitrag zu leisten, um im Sinne des Schöpfungsauftrags die Erde nachhaltig zu bewirtschaften und zu bewohnen.
Dass der Austausch weitergehen soll und kann, darin waren sich alle einig: für die Weitergabe von praktischen Tipps und auch für das Planen von Schritten, die wir unabhängig von unserem jeweiligen Glauben gemeinsam gehen können, um zu bewahren, was uns allen anvertraut ist.