Sehr geehrte Damen und Herren,
der alte Schlager „Wann wird's mal wieder richtig Sommer, ein Sommer, wie er früher einmal war“ wünschte sich damals endlich einen Sommer mit viel Sonnenschein nach einigen Sommern, in denen es immer wieder geregnet hat.
Heute wünschen wir uns einen Sommer, der nicht nur Sonnenschein hat, sondern in dem es immer wieder auch regnet, ohne dass es gleich zu Starkregen, Hagel und Überflutungen kommt. So ein Sommer, wie er früher einmal war, wäre vor allem im Hinblick auf die Temperaturen wunderbar. Ein paar heiße Tage im Juli und August wie jahrzehntelang wären in Ordnung, aber mittlerweile gibt es die ersten heißen Tage schon im Juni. Und nicht wie früher mit 30 Grad im Schatten, sondern schon mit bis zu 40 Grad. Einen Sommer, wie er früher einmal war, auch ein verregneter - wir können ihn nicht herbeisingen und mehr noch: es kann sein, dass die Hitzeperioden in Zukunft öfter und noch ausgeprägter kommen.
Es ist „eigentlich“ klar, dass diese heißen und viel zu trockenen Sommer Folge des Klimawandels sind. Der weltweite Temperaturanstieg wurde viele Jahre lang von der Wissenschaft prognostiziert und vor ihm wurde und wird weiterhin gewarnt, auch weil er irreversibel sei. Die Folgen der Klimaerwärmung sind nicht nur in diesem Sommer unübersehbar, aber wir versuchen tun noch immer nicht alles, was wir können, damit die Temperatur nicht noch weiter ansteigt. Im Gegenteil, Subventionen für E-Autos oder Wärmepumpen werden aktuell zurückgefahren, Investitionen in erneuerbare Energien, ressourcenschonende industrielle Fertigung oder auch umweltfreundliche Mobilität werden nicht gesteigert, eher zurückgefahren (z.B. die Verschiebung des Verbrenner-Aus). Die Ökonomie gewinnt gerade wieder vor der Ökologie deutlich den Vorrang, nicht zuletzt angesichts des ungebremsten Energieverbrauchs für die Rechenzentren der KI. Dabei ist nichts so notwendig wie eine gute Balance zwischen Ökonomie und Ökologie. Dann wird der Sommer wieder die schönste Jahreszeit.
Wir stöhnen unter der Hitze, überlegen, wie wir hitzeresistentere Städte und Häuser bauen können, und müssen Wasser dringend sparen. Aber die Einsicht, dass wir mittendrin sind in dramatischen Klimaveränderungen, ist noch nicht tiefgreifend, und zwar so tiefgreifend, dass wir auch als einzelne unser Verhalten ändern. Wir wissen längst, dass es darauf ankommt, dass jede und jeder seinen Beitrag zum Schutz der Umwelt leistet, aber tun uns schwer damit. Sommer heißt grillen und nochmal grillen, auch wenn die CO2-Bilanz schlecht ist durch das Verbrennen von Holzkohle und den hohen Fleischkonsum. Wir reisen weiter mit dem Flugzeug in Urlaub, möglichst weit, möglichst exklusiv, auch wenn die obligatorischen Klimaanlagen in den heißen Urlaubsländern einen hohen Energieverbrauch mit sich bringen. Coolcation ist der neue Trend, der die weltweit ansteigenden Temperaturen aber nicht zu reduzieren hilft. Überhaupt Klimaanlagen, wir werden sie auch in Deutschland viel stärker als bisher brauchen, gerade in Pflegeheimen und Krankenhäusern, aber auch öffentlichen Gebäuden. Es braucht kühle Orte in der Hitze, aber ihre Technologie muss energieeffizient sein. Swimmingpools im eigenen Garten sind verlockend, aber verbrauchen deutlich zu viel Wasser, mehr öffentliche Schwimmbäder wären eine gute Investition.
Schließlich: Es hat sich mir eingeprägt, dass bei der Einführung der neuen Landesbischöfin Christina-Maria Bammel im Braunschweiger Dom Wasserflaschen und Fächer verteilt wurden. Selbst ein Dom ist kein kühler Ort mehr, in dem ich auch im Sommer besser eine Jacke anziehe und ein Talar kein schweißtreibendes Kleidungsstück ist. Spätestens jetzt sind wir auch als Kirchen gefordert, uns viel sichtbarer gegen den fortschreitenden Klimawandel zu engagieren. Dabei geht es nicht darum, überhaupt nicht mehr zu grillen, zu reisen, zu schwimmen oder die KI zu nutzen, sondern ein neues Maß und intelligente Möglichkeiten zu finden, wie dies geschehen kann, ohne damit den Klimawandel weiter zu befördern.
Wenn wir nicht auch unser persönliches, aber genauso unser wirtschaftliches und gesellschaftspolitisches Verhalten entscheidend und nachhaltig ändern, werden nicht nur die Sommer nicht so schön wie früher.
Als Christinnen und Christen glauben wir, dass Gott Menschen die Kraft zur Veränderung gibt. Gott gibt uns die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Das hält die Überzeugung in Menschen wach, dass ein gelingendes Leben global für Mensch und Umwelt möglich ist und sein wird. Vielleicht ist das ein neues Nachdenken wert. Aus dem ein neues Handeln folgen könnte.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihre
Dr. Kerstin Gäfgen-Track