Beim Tarms Talk auf der Tarmstedter Ausstellung kam jüngst zur Sprache, was alle brauchen, worüber aber viel zu wenig geredet wird: „Was gibt mir Halt?“
An die Telefonseelsorge können sich alle wenden, die Unterstützung brauchen. Längst geht das nicht nur per Telefon, sondern auch über Chat und ist anonym möglich, erläutert Daniel Tietjen, der Leiter der TelefonSeelsorge Elbe-Weser. Ausgebildete Ehrenamtliche nehmen die Anfragen entgegen. Am Anfang geht es erst einmal darum, dass die Berater*innen zuhören und versuchen, die Situation zu verstehen. Dass einer in Ruhe zuhört, wird oft schon als helfend gesehen.
Das ist bei den landwirtschaftlichen Sorgentelefonen und Familienberatungen ähnlich, erklärt Holger Westerwarp, Berater Regionalentwicklung bei der Landwirtschaftskammer und ehrenamtlich in der Evangelischen landwirtschaftlichen Familienberatung tätig. Auch hier versuchen die ehrenamtlichen Berater*innen zunächst zu erfassen, wo das eigentliche Problem ist. Denn oft liegen die Ursachen eines Konflikts tiefer als die Themen, die zunächst genannt werden. Zum Beispiel sind bei einer konfliktbehafteten Hofübergabe die Herausforderungen meistens nicht die Hofübergabe selbst, sondern Beziehungskonflikte zwischen den Betroffenen, die eventuell auch schon vor der Hofübergabe bestanden haben. Die Berater*innen helfen den Anrufenden und den Familien durch Zuhören und gezieltes Fragen, diesen eigentlichen Konfliktursachen auf die Spur zu kommen, damit eine Klärung möglich wird.
Daniel Tietjen berichtet davon, dass die Telefonseelsorge einmal zur Suizidprävention ins Leben gerufen worden ist und sich nach wie vor häufig Menschen mit Suizidgedanken an die Telefonseelsorge wenden. „Solange diese Personen sich bei uns melden, kann man diesen auch helfen“, betont Tietjen, „denn dann ist die Entscheidung, den Suizid wirklich zu begehen, noch nicht endgültig getroffen.“
Da die Berater*innen bei der Telefonseelsorge sowie auch bei den landwirtschaftlichen Sorgentelefonen und Familienberatungen mit schwierigen Situationen konfrontiert werden, erhalten sie Supervision und Schulungen, die ihnen helfen, mit dem Erlebten umzugehen und es auch wieder loszulassen.
Für die ehrenamtlichen Berater*innen ist es neben der Empathie für andere auch wichtig, einen Zugang zu ihren eigenen Gefühlen zu haben. Dies weiterzuentwickeln ist ein Bestandteil ihrer Ausbildung. Die Berater*innen der landwirtschaftlichen Sorgentelefone und Familienberatungen kommen alle von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dadurch können sie sich besonders gut in andere Personen in der Landwirtschaft hineinversetzen, sie können Familienkonstellationen, betriebliche Fragen und darüber hinaus z. B. den Druck aus dem Dorf nachvollziehen.
Kirchenmitglied zu sein ist weder für die Berater*innen noch für die Ratsuchenden Voraussetzung. Die Berater*innen der kirchlich (mit-)getragenen Angebote sollten jedoch der Kirche und dem christlichen Glauben offen gegenüberstehen und das Konzept der Beratungsangebote akzeptieren und sich damit wohlfühlen.
Pastorin Cornelia Möller, Referentin für Land- und Ernährungswirtschaft für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, in der Geschäftsführung der Evangelischen Landwirtschaftlichen Familienberatung, erzählt: „Auch wenn der Glaube nicht zur Sprache kommt, spielt es für viele Menschen eine Rolle, dass man von der Kirche kommt. Ich erlebe oft, dass mir ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht wird.“
Die Telefonseelsorge und die landwirtschaftlichen Sorgentelefone und Familienberatungen sehen sich als Teile eines großen Netzwerkes von Beratungsangeboten, zum Beispiel zusammen mit der sozioökonomischen Beratung der Landwirtschaftskammer und den Beratungsangeboten der SVLFG.
An wen immer man sich wendet, es ist wohltuend und heilend, sich Hilfe zu holen, sich öffnen zu dürfen und auf Verständnis zu stoßen. Darin sind sich alle Gesprächspartner*innen einig.
Christin Baumann, Tarmstedter Ausstellung/Cornelia Möller, Konföderation