Schule als caring community

Nachricht 13. Oktober 2026

Editorial von Dr. Gäfgen-Track zum Newsletter der Konföderation

Dr. Kerstin Gäfgen-Track. Foto: Jens Schulze

Vertretungsweise habe ich an einem Podium beim Fachtag „Caring communities – Sorge braucht Gemeinschaft. Solidarität, Verantwortung und Versorgungssicherheit“ teilgenommen. Dafür habe ich mich vertieft eingelesen (ohne KI). Die Idee der caring communities ist eine weltweite und vielfach in der Hospizbewegung verankert, es geht um Pflege und Unterstützung bei schweren Erkrankungen, Sterbebegleitung und Trauerarbeit. Unterschiedliche ehrenamtliche ebenso wie professionell arbeitende Akteure sind dafür vernetzt aus der Gemeinschaft eines Quartiers, Stadtteils oder Dorfes heraus tätig. Mittlerweile geht es immer stärker auch darum, soziale Isolation aufzubrechen, Orte der Gemeinschaft zu gestalten und Teilhabe zu ermöglichen für sehr unterschiedliche Personen zu ermöglichen. Eigenverantwortlichkeit, Gemeinsinn, Nachhaltigkeit und Intergenerationalität sind die Leitmotive der caring communities. 

Aufgrund meiner Beschäftigung mit diesem Thema und als Reaktion auf die Podiumsdiskussion bin zur Überzeugung gelangt, dass die Idee der caring community in unserer Gesellschaft dringend nicht nur angesichts der Situation in der Pflege oder im Gesundheitswesen gebraucht wird. Sie greift aber zu kurz, wenn sie nicht auch junge Menschen in den Blick nimmt, und zwar nicht nur als diejenigen, die Besorgungen übernehmen, beim Sparzierengehen begleiten oder das Essen für die Tafel mit dem Lieferwagen abholen. Viele Kinder und Jugendliche brauchen selbst eine caring community, eine Gemeinschaft, die sich um sie kümmert und sorgt. Schule wird bereits ansatzweise zu einer caring community, vielleicht ohne dass sie es wollte und sich selbst als eine solche begreift, weil sie primär an Bildungszielen und dem Erwerb von Kompetenzen orientiert war und ist. Die Bildungsziele können weiterhin zentral auch einer für eine sich als caring community verstehende Schule bleiben, die einen umfassenden Bildungsbegriff „lebt“: kognitiv, sozial, emotional, ästhetisch, religiös, physisch.

Seit Jahren läuft die Diskussion, dass Schule mehr sein muss als ein Ort einer stark kognitiv orientierten Bildung. Ein formaler Bildungsbegriff allein reicht nicht gerade angesichts der gegenwärtigen regionalen und globalen Herausforderungen, es braucht zugleich eine nonformale und informelle Bildung. Eine nonformale und informelle Bildung braucht Menschen, die sich zivilgesellschaftlich innerhalb und außerhalb von Schule für Kinder und Jugendliche engagieren, Teilhabemöglichkeiten und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit eröffnen. Damit kann Schule selbst zu einem Ort einer caring community und zugleich Teil einer caring community im Quartier, Stadt(teil) oder Dorf werden. Schülerinnen und Schüler selbst können sich innerhalb und außerhalb von Schule in einer caring community gemeinsam mit anderen einbringen.

Der Gedanke von caring communities könnte zu einem Weg aus der Krise hin zu Zusammenhalt und Gemeinschaft werden. Kirchen können Nächstenliebe als Grund und Motivation für eine caring community einbringen – nicht nur als Gedanke, sondern auch in Taten.

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"Der Gedanke von caring communities könnte zu einem Weg aus der Krise hin zu Zusammenhalt und Gemeinschaft werden.“