Das neue Kerncurriculum Christliche Religion ist christlich – man muss es aber lesen können

Nachricht 12. März 2026

Stellungnahme des Bundesverbands der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien zur aktuellen Diskussion um den neuen Lehrplan im Fach Christliche Religion in Niedersachen

Logo des Bundesverbands der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien e.V.

Der Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien äußert sich zur aktuellen Debatte über den geplanten Christlichen Religionsunterricht in Niedersachsen:

"Das in der zweiten Anhörungsfassung vorliegende Kerncurriculum für den Christlichen Religionsunterricht in Niedersachen hat durch mehrere Artikel in der NOZ von Lucas Wiegelmann eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren.
Dies lässt sich wohl nicht zuletzt dadurch erklären, dass es hier keineswegs um eine bloße Berichterstattung über das neue Fach (oder seine didaktischen Ansätze und Neuerungen) geht, sondern latent der Verdacht platziert wird, der neue christliche Religionsunterricht (RC) sei womöglich nicht mehr christlich genug. Diese These wird von Herrn Wiegelmann öffentlichkeitswirksam und geschickt in den Raum gestellt, indem er auf die Beobachtung verweist, dass Jesus weitgehend fehle und in nur fünf der 130 Themen vorkomme.

Dass es sich hierbei um eine oberflächliche Beurteilung bzw. dünne argumentative Ausgangsbasis handelt, um das neue Format des Faches sowie seine Inhalte und Ziele zu beurteilen, wird jedem klar, der sich die Mühe macht, sich mit den Curricula, den zugrundeliegenden Konzepten und den Entwicklungen sorgfältiger auseinanderzusetzen.
Denn: Bleibt es bei einer rein oberflächlichen Lektüre, fällt tatsächlich das Fehlen der bisherigen ‚klassischen‘ Inhaltsfelder („Jesus“, „Gott“, „Kirche“ usw.) an exponierter Stelle auf. Jedoch lässt eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Lehrplan, seiner Systematik und den konkretisierten Kompetenzen schnell erkennen, dass diese Inhalte keineswegs herausgefallen sind, auch wenn Herr Wiegelmann dies in seinem Beitrag suggeriert.

Vielmehr geht der neue Lehrplan viel stärker als zuvor von den Lernenden, also den Schülerinnen und Schülern in ihren heterogenen Lebenswelten, aus und bringt diese in einem zweiten Schritt in eine Auseinandersetzung mit der Tradition und Kultur des christlichen Glaubens. Die einstigen ‚klassischen‘ Inhalte finden sich deshalb in einer anderen Systematik als im bisherigen Lehrplan wieder. Sie erscheinen nun in jenem Bereich, der als „Ressourcen des Christentums“ bezeichnet wird.

Somit lernen die Kinder und Jugendlichen selbstverständlich weiter christliche Inhalte kennen. Diese werden aber konsequenter als bisher von der heutigen Lebenswelt aus befragt. Auf diese Weise wird nicht nur der in der Pädagogik immer wieder geforderten Subjektorientierung Rechnung getragen, sondern es wird auch sichergestellt, dass das Fach seinem öffentlichen Bildungsauftrag gerecht werden kann.

Die neuen Querverbindungen zwischen der Schüler:innenperspektive und den
christlichen Inhalten stellen sicher, dass Lebensweltrelevanz und elementare Wahrheiten im Dialog bleiben können. Ebenso werden interreligiöse Aspekte verpflichtend berücksichtigt, wobei auch sie stets im Dialog mit den christlichen Ressourcen behandelt werden.

Erforderlich für eine angemessene Lektüre des neuen Curriculums ist es daher, dass theologische Inhalte in ihrer Fachterminologie verstanden werden. Diese neue Herangehensweise erfordert ein Überdenken vertrauter Schemata. Wer sich darauf einlässt, wird die christlichen Inhalte jedoch schnell wiederfinden und in Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern setzen können. Offenkundig ist dies Herrn Wiegelmann in seiner bisherigen Berichterstattung nicht möglich gewesen. Als Religionslehrer:innenverband positionieren wir uns daher aber sehr deutlich gegen seine Lesart und Interpretation der neuen Lehrpläne.

Da wir selbst (und somit auch der Hildesheimer Religionslehrerverband VKRGH) an der Gestaltung und Überarbeitung mitwirken konnten, distanzieren wir uns auch von der Kritik, die in den Aussagen eines Kollegen aus Hildesheim deutlich wird (NOZ vom 11.03.26)."

Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien e.V.