Lebendige Gespräche, große Offenheit für Vernetzung und die spürbare Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen, prägten den Studientag der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) Niedersachsen am 10. März 2026 im Rahmen der Mitgliederversammlung des EEB Bundesverbands in Hannover.
„Dass demokratische Werte und Strukturen heutzutage nicht mehr unumstößlich sind, ist offensichtlich. In vielen Teilen unserer globalen Welt bröckeln sicher geglaubte Errungenschaften wie Solidarität und Menschenrechte, Teilhabe, Gerechtigkeit und Vielfalt“, so die Leiterin der EEB Niedersachsen, Ulrike Koertge, in ihrer Begrüßung. „Doch gerade deshalb ist Bildung – und in unserem Rahmen insbesondere kirchliche Bildung – so wichtig: Neben einem unabhängigen Rechtsstaat, freien Medien und einer vielfältigen Zivilgesellschaft bildet eine pluralitätsbewusste und streitbare Bildung das Rückgrat jeder Demokratie.“
Impulse zur Frage nach resilienter Demokratie
Einen ersten inhaltlichen Schwerpunkt setzte Dr. Verena Frick mit ihrer Keynote zu institutionellen und zivilgesellschaftlichen Ressourcen resilienter Demokratie. Sie beschrieb demokratische Resilienz als Zusammenspiel von Abwehrbereitschaft, Anpassungsbereitschaft und Transformationsbereitschaft. Dazu braucht es verlässliche Institutionen ebenso wie eine organisierte Zivilgesellschaft, die gesellschaftliche Probleme wahrnimmt, Missstände benennt und demokratische Erfahrungen vor Ort ermöglicht. Kirche lässt sich als Teil einer solchen aktiven Zivilgesellschaft verstehen.
Daran knüpfte Matthias Drobinski mit seiner Keynote „Herausgefordert von rechts – können Kirchen die Demokratie stärken?“ an. Er verortete die Aufgabe der Kirchen nicht in einfachen Antworten, sondern im beharrlichen Eintreten für Menschenwürde, im Widerspruch gegen menschenverachtende Haltungen und im Offenhalten von Räumen für Begegnung, Solidarität und Verständigung. Das Bild vom „mutigen Gratwandern“ bündelte seine Keynote: aufmerksam bleiben, dem Rückzug widerstehen und gemeinsam handlungsfähig bleiben.
Friedensbildung als weiterer Akzent am Abend
Am Nachmittag wurden die Fragen des Vormittags in den Workshops weitergeführt und konkretisiert. Am Abend der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen setzte sich der Tag in festlicher Atmosphäre fort. Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Verena Sauer, Referentin für Friedensbildung und Expertin in ziviler Konfliktbearbeitung. Ausgehend von ihren Erfahrungen in der internationalen Konfliktbearbeitung, unter anderem im Kosovo und in Georgien sowie in der Wahlbeobachtung für die OSZE, zeigte sie, wie diese Perspektiven in Niedersachsen in Bildungsarbeit übersetzt werden können: durch die Ausbildung von Referent:innen für Friedensbildung durch die EEB Niedersachsen, die nach ihrer Qualifizierung Schulen im Unterricht unterstützen können.
Im anschließenden Podiumsgespräch kamen Bischof Thomas Adomeit, Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Corinna Fischer, Leiterin der Abteilung Kultur und Erwachsenenbildung im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie Verena Sauer zusammen. Das Gespräch knüpfte unmittelbar an die Themen des Tages an und führte diese im festlichen Rahmen weiter.
Felix Berkelmann, EEB Niedersachsen