Hannover. Am Vorabend der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen (UN) COP 30 im brasilianischen Bélem hatten der Arbeitskreis Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und das Umweltteam des Bistum Hildesheim zu einer Standortbestimmung eingeladen. Unter dem Thema „Klima, Schöpfung - Hoffnung?“ diskutierten Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Kirche über Klima- und Umweltschutz auf nationaler und internationaler Ebene.
„Es war bis zuletzt unklar, ob das Abkommen wirklich verabschiedet werden konnte, denn es brauchte die Zustimmung aller Mitgliedsländer.“ So Dr. Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin a.D., in ihrem Rückblick auf das vor 10 Jahren verabschiedete Pariser Klimaschutzabkommen, das den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 °C beziehungsweise deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzte.
Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik am Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen, beleuchtete in seinem Vortrag die Diskrepanz zwischen den notwendigen Finanzierungen in Klimaschutz und dem, was tatsächlich gezahlt wird. „Die derzeit prognostizierten 2,8 °C haben katastrophale Folgen und sind auch nur realistisch, wenn die jetzt eingereichten Klimaziele der Länder tatsächlich eingehalten werden.“
Jonas Pohlmann, Mitglied des Landtags Niedersachsen und energiepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, warb für Technologieoffenheit auf dem Weg zu einem konsequenten Klimaschutz. Er bezeichnete solche Diskussionen außerhalb der eigenen „Bubble“ als wichtigen Beitrag für eine breiteres Engagement für Klima- und Umweltschutz.
Viele junge Menschen hätten resigniert oder stellten sich auf einen bevorstehenden Kollaps ein, so die Einschätzung von Finn-Lennart Koglin, Mitgründer der Students for Future in Paderborn. Aber die Bewegung sei auch dynamisch und es entwickelten sich neue Formen des Protests.
Optimistischer bewertete Dr. Jens Clausen, Transformationsforscher und Mitgründer des Borderstep Instituts, die Situation. Im September 2025 habe der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland rund 68 Prozent betragen. Es werde zu wenig über diese Erfolge gesprochen.
Kritik an einer als zu zurückhaltend wahrgenommenen Klimapolitik kam aus den Reihen der Gäste des Forums. Viele Teilnehmer*innen wünschten sich konkretere und ambitioniertere Klimaschutz-Ziele und -Maßnahmen, denn – so ein Teilnehmer – „die Zeit drängt.“ Für erfolgreichen Klima- und Umweltschutz brauche es das gemeinsame Engagement von Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und auch den Kirchen mit mutigerem und konsequenterem Einsatz für die Schöpfung.
Der Arbeitskreis Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung lädt für Dienstag, den 11. November um 19:30 zu einem online-Treffen mit der Möglichkeit zum verstärkten Engagement ein (Kontakt über den AK-Vorsitzenden Tobias Schäfer-Sell).